Asien

Südkoreanische Medien melden China-Besuch von Kim Jong-un

Kim Jong-un, der Staatsführer der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK), ist offenbar zu einem seiner seltenen Auslandsbesuche aufgebrochen. Südkoreanischen Quellen zufolge befindet er sich derzeit im nördlichen Nachbarland China. Anlass für den Besuch ist das Gedenken an den Korea-Krieg.
Südkoreanische Medien melden China-Besuch von Kim Jong-unQuelle: www.globallookpress.com © Pan Yulong/Xinhua

Wie Yonhap, die wichtigste Nachrichtenagentur der mit der DVRK verfeindeten Republik Korea, heute berichtet, ist der nordkoreanische Staatslenker Kim Jong-un zu einem Besuch in die Volksrepublik China eingetroffen. Auslandsbesuche Kims gelten als selten und besondere Ehrenerweisung.

Die südkoreanische Nachrichtenagentur bezieht sich in ihrer Berichterstattung auf eine nicht namentlich genannte Regierungsquelle. Demnach benutzte Kim für seinen Grenzübertritt nach China die erst kürzlich eröffnete neue Yalu-Brücke und hält sich an diesem Samstag in der chinesischen Grenzstadt Dandong auf. Sowohl die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua als auch die DVRK-Nachrichtenagentur KCNA berichten bisher nichts über die Reise.

Der Besuch der in der chinesischen Provinz Liaoning gelegenen Grenzstadt wäre Kims mittlerweile sechster China-Besuch. Der letzte Besuch hatte im September 2025 stattgefunden. Kims chinesischer Gesprächspartner soll demnach der Ministerpräsident der Volksrepublik China Li Qiang sein.

Anlass für den Besuch könnte das feierliche Gedenken an einen historischen Jahrestag sein. Im Oktober 1950 hatte die von US-Truppen geführte UN-Allianz die Koreanische Volksarmee fast bis an den Yalu zurückgedrängt. Mao Zedongs Entschluss, die chinesische Volksbefreiungsarmee in den Konflikt eingreifen zu lassen, sicherte letztendlich die Staatlichkeit der DVRK, auch wenn der Preis dafür die fortgesetzte Teilung Koreas war.

In der Nacht vom 19. auf den 20. Oktober 1950 hatten chinesische Truppen heimlich den Grenzfluss Yalu überschritten. Am 25. Oktober griffen sie dann erstmals in die Kämpfe ein. Bis zur Jahreswende 1950/51 verlief die Demarkationslinie wieder am 38. Breitengrad – dort, wo sie auch heute noch besteht. Bis zum Waffenstillstand im Juli 1953 bewegte sich – abgesehen von der Eroberung und Rückeroberung der Hauptstadt Seoul – die Front nicht mehr beträchtlich; die Kontrahenten führten vielmehr einen verlustreichen Stellungskrieg.

Historiker führen als Beweggrund für Chinass Kriegseintritt aufseiten der Koreanischen Volksarmee – neben der ideologischen Übereinstimmung – den Wunsch an, eine Stationierung von US-Truppen in unmittelbarer Nähe zur chinesischen Grenze zu verhindern. Es war die erste Phase der Spannungen zwischen dem sozialistischen und den kapitalistischen System.

Auch Al Jazeera berichtet unter Bezugnahme auf AFP und Reuters über den Besuch. Dem Medium zufolge sind nicht nur historische Reminiszenzen Anlass für Kims Überschreiten des Yalu. Vielmehr beruft sich das Nachrichtennetzwerk auf geopolitische Analysten.

Ihnen zufolge ist der Besuch Kims Auswuchs einer zunehmend selbstbewussteren nordkoreanischen Außenpolitik. Ziel des Staatsmannes aus der DVRK sei demnach, eine Einheitsfront zwischen Pjöngjang, Peking und Moskau in einem "neuen Kalten Krieg" zu schmieden.

Aber auch so hat Kim hinlänglich Anlass für einen China-Besuch. Schließlich ist der große nördliche Nachbar der größte Handelspartner des wegen seines Atomwaffenprogramms mit UN-Sanktionen belegten Landes. Aber auch zu Russland intensivieren sich die Kontakte. Erst im September dieses Jahres war eine Straßenbrücke über den gemeinsamen Grenzfluss Tumen eingeweiht worden.

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