Der weltweite Ölpreis hat am Mittwoch erstmals seit Juli die Marke von 100 Dollar je Barrel erreicht. Hintergrund sind die zunehmenden Spannungen im Nahen Osten. Damit liegt der Ölpreis fast 40 Prozent über dem Niveau vor Beginn des Iran-Kriegs.
Der Anstieg spiegelt die Sorge der Anleger wider, wie lange der inzwischen sieben Monate andauernde Krieg noch dauern wird. Die Spannungen haben einen erheblichen Teil der weltweiten Öltransporte beeinträchtigt.
Brent-Rohöl, die globale Referenzsorte, hatte die Marke von 100 Dollar je Barrel bereits im Juli kurzzeitig überschritten. In den ersten Monaten des Krieges war der Brent-Preis auf knapp 120 Dollar gestiegen. Der Preis für West Texas Intermediate (WTI), die US-Referenzsorte, liegt inzwischen 41 Prozent über dem Niveau zu Kriegsbeginn und notiert bei rund 95 Dollar je Barrel.
Rohöl ist der wichtigste Ausgangsstoff für Kraftstoffe wie Benzin und Diesel. Die steigenden Ölpreise haben den durchschnittlichen Benzinpreis in den USA nach Angaben des Automobilclubs AAA auf mehr als vier Dollar je Gallone steigen lassen. Auch der Dieselpreis in den USA erreichte in diesem Monat einen Rekordwert und übertraf damit den bisherigen Höchststand von vor vier Jahren. Inzwischen kostet Diesel dort fast sechs Dollar je Gallone – mehr als 55 Prozent mehr als zu Beginn des Krieges.
Seit die USA und Israel Ende Februar Iran angegriffen haben, sind die Ölexporte aus dem Persischen Golf erheblich zurückgegangen. Iran verhindert, dass die meisten Schiffe die Straße von Hormus passieren. Durch die schmale Meerenge zwischen Iran und Oman wurde vor dem Krieg rund ein Fünftel des weltweiten Öls transportiert.
Die US-Marine unterstützt Schiffe bei der Navigation durch die Straße von Hormus. Dadurch kann weiterhin ein Teil des Öls auf den Weltmarkt gelangen – und ein noch stärkerer Preisanstieg während des Iran-Kriegs wird verhindert.
Die Risiken für die Schifffahrt in der Region bleiben jedoch hoch. Die von Iran unterstützten Huthi im Jemen haben den Tankerverkehr am südlichen Ende des Roten Meeres eingeschränkt. Saudi-Arabien nutzt diese Route als Alternative zur Straße von Hormus.
Bei Huthi-Angriffen auf Saudi-Arabien wurden am Dienstag nach Angaben saudischer Behörden Dutzende Zivilisten verletzt. Das saudische Energieministerium teilte mit, dass Angriffe auf Energieanlagen den Betrieb vorübergehend beeinträchtigt hätten.
"Vorerst dürften das geringer als erwartete Angebot, sinkende Lagerbestände und die geopolitische Unsicherheit die Risiken für den Ölpreis kurzfristig hoch halten", erklärten die Analysten der Bank of America gegenüber der New York Times.
Ein Waffenstillstandsabkommen könnte demnach zu einer "schnellen Kehrtwende" bei den Preisen führen. Ein größerer Konflikt mit schweren Schäden an der Energieinfrastruktur könnte den Ölpreis hingegen auf bis zu 150 Dollar je Barrel treiben.
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