Hitlers Berghof in den Berchtesgadener Alpen ist bekanntlich seit Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört. Das rund 800 Meter höher gelegene Kehlsteinhaus, als repräsentatives Teehaus ebenfalls in den Nazi-Jahren erbaut, überlebte hingegen den Krieg. Der Diktator selbst hatte es selten genutzt, aber dort ausländische Gäste bewirten lassen. Auch Hitlers Entourage feierte dort. Daher auch die Bezeichnung als "Hitlers Teehaus" oder in späteren Zeiten als "Eagle’s Nest" ("Adlerhorst").
Nach dem Krieg diente das Kehlsteinhaus als Gaststätte. Zugleich befand sich dort eine kleine ergänzende Ausstellung zum im Tal befindlichen Dokumentationszentrum Obersalzberg. Doch von all dem dürfte nach dem Brand von Freitagabend nicht mehr viel übrig sein.
Die Löscharbeiten gestalteten sich aufgrund der großen Höhe und der schweren Zugänglichkeit der Berggaststätte durch die Löschzüge als schwierig. Laut Kreisbrandrat Michael Brandl mussten die Feuerwehren teilweise zu Fuß anrücken. In der Nacht hätten dann Schneeverwehungen und Vereisungen des Löschwassers zu einem zeitweiligen Stopp des Löscheinsatzes geführt. Insgesamt seien an der Löschung Hunderte Einsatzkräfte beteiligt gewesen oder immer noch vor Ort.
Die Feuerwehr kann das Areal nur mit schwerem Atemschutz betreten. Ersten Erkenntnissen zufolge gab es bei dem Brand keine weiteren Verletzten, wenn man von einem möglichen Tatverdächtigen absieht.
Denn für den Brand verantwortlich gemacht wird laut Medienberichten ein Brandstifter. Die bayerische Polizei hält einen in der Nähe des brennenden Kehlsteinhauses festgenommenen Motorradfahrer für den mutmaßlichen Täter. Der Mann soll wegen seiner Verletzungen im Krankenhaus liegen, so Informationen aus Ermittlerkreisen, die die Deutsche Presse-Agentur weitergab. Laut Bild-Informationen handelt es sich um einen gebürtigen Berliner, der sich psychisch auffällig verhalten haben soll.
Zu einem möglichen Motiv für die Brandstiftung ist noch nichts bekannt. Die Festnahme eines tatverdächtigen Motorradfahrers bestätigte mittlerweile auch Gerhard Holzinger, Einsatzleiter des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, auf einer vom Onlineportal Bgland24.de wiedergegebenen Pressekonferenz am Samstagnachmittag.
Die bereits an die Presse gelangten Informationen ergänzte Rainer Vietze von der Staatsanwaltschaft Traunstein. Demnach ist der Festgenommene 33 Jahre alt und deutscher Staatsbürger. Er sei im Berchtesgadener Land derzeit nicht wohnhaft, habe aber gewisse Beziehungen zur Region. Als Tatmotive seien sowohl eine psychische Erkrankung als auch ein politischer Beweggrund denkbar.
Auch am Samstagvormittag dauerten die Löscharbeiten an. Nach Angaben des Zweckverbandes Bergerlebnis Berchtesgaden wurde das Gebäude durch den Brand stark beschädigt. Derzeit lasse sich nicht abschätzen, ob Teile des Kehlsteinhauses erhalten geblieben sind, teilte der Zweckverband auf seiner Homepage mit.
Über die Zukunft des Geländes und einen möglichen Wiederaufbau hat der Freistaat Bayern zu entscheiden, denn dieser ist der Besitzer des Kehlsteinhauses. Die Berchtesgadener Landesstiftung hat lediglich das Nießbrauchsrecht darüber. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU), dass er von einer Rekonstruktion der Berggaststätte ausgehe. "Wir werden da kaum eine Ruine stehen lassen können", erklärte Herrmann am Rande des CSU-Parteitages.
Dem stimmte auch Dr. Bartl Wimmer, der Verbandsvorsitzende des Zweckverbandes Bergerlebnis Berchtesgaden, zu. Schließlich hingen von dem Tourismus zum Kehlsteinhaus mit jährlich über 300.000 Besuchern drei Betriebe ab. Auch aus Gründen der Erinnerungskultur sei es nicht denkbar, das Gebäude nicht wieder aufzubauen. Derzeit wird von Besuchen der Brandruine dringend abgeraten.
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