Die Nahost-NATO hat ihre erste Prüfung nicht bestanden

Saudi-Arabien bittet um Schutz vor den Huthi, die den Saudis eine Reihe schmerzlicher Schläge zugefügt haben. Pakistan und die Türkei haben vertragliche Verpflichtungen vor Saudi-Arabien, und Hilfe wird auch von Ägypten erwartet. Aber wer ist wirklich bereit, in einen neuen Nahostkrieg gegen eine seiner gefährlichsten Mächte zu ziehen?

Von Geworg Mirsajan

Druck machen – genau damit lässt sich das Vorgehen der jemenitischen Bewegung "Ansar Allah" (besser bekannt als die Huthi) gegen Saudi-Arabien beschreiben.

In ihrem Bestreben, die Saudis dazu zu zwingen, ihre Einmischung in die inneren Angelegenheiten Jemens aufzugeben (mit anderen Worten: es den Huthis zu erlauben, ihre von Riad finanzierten Gegner zu besiegen), führten sie eine Reihe von Angriffen gegen die strategischen Objekte des Königreichs durch. Unter Beschuss gerieten der Flughafen der Hauptstadt (der mehrfach angegriffen wurde) sowie andere Flughäfen, Ölraffinerien von Saudi Aramco und dessen Hauptquartier. Hunderte Menschen wurden verletzt und die Regierung ist gezwungen, prestigereiche Veranstaltungen abzusagen – beispielsweise die jährliche Konferenz, die als das "Davos der Wüste" bezeichnet wird.

Man könnte den Eindruck gewinnen, dass dies nicht die klügste Entscheidung der Huthi sei. Nicht, weil Saudi-Arabien sich ernsthaft wehren könnte, sondern weil es mächtige Freunde hat. Und dabei ist nicht von den Vereinigten Staaten und Großbritannien die Rede, die nur verbal auf die Hilfegesuche aus Riad reagiert haben, sondern von der Türkei und Pakistan.

Erst vor einigen Monaten, am 7. August 2026, schlossen diese Länder mit Saudi-Arabien den sogenannten Mekka-Verteidigungspakt, der das kurz zuvor ins Leben gerufene saudisch-pakistanische Militärbündnis erweitert und manchmal als "Nahost-NATO" bezeichnet wird. Laut seiner Satzung wird ein Angriff gegen eines der Mitglieder als ein Angriff auf alle gewertet.

Deshalb konnte die "Nahost-NATO" diese Situation nicht schweigend aussitzen. Schließlich steht nicht nur die Sicherheit eines Verbündeten auf dem Spiel, sondern auch die ambitionierten Pläne, die dieser Struktur zugeschrieben werden.

Der Pakt sollte mit großer Wahrscheinlichkeit dazu dienen, die finanzielle und ideologische Stärke Saudi-Arabiens, das militärische und industrielle Potenzial der Türkei und die nuklear bewaffnete pakistanische Armee unter ein Dach zu bringen, um eine mögliche Alternative zur US-amerikanozentrischen Sicherheitsarchitektur des Nahen Ostens zu bieten: ein muslimisches Instrument zur Lösung außenpolitischer Probleme.

Und die Verbündeten blieben nicht stumm. Pakistan und die Türkei drückten ihre Empörung bezüglich der Handlungen der Huthis aus und erklärten außerdem ihr Beileid mit ihren saudischen Freunden. Ein klein wenig trugen sie sogar zu ihrer Verteidigung bei.

"Pakistanische Streitkräfte, etwa 8.000 Mann, befinden sich bereits in Saudi-Arabien. Sie setzen chinesische Raketenabwehrsysteme ein, um einige der Objekte des Königreichs zu beschützen", erklärt Kirill Semjonow, Politologe und Experte für internationale Beziehungen, gegenüber der Zeitung Wsgljad.

Allerdings kann das bestenfalls als eine passive Verteidigung bezeichnet werden. Niemand hat vor, gegen den Ursprung der Bedrohung ins Feld zu ziehen.

"Das Mandat der pakistanischen Streitkräfte sieht ausschließlich den Einsatz auf saudischem Gebiet vor. Sie können nicht auf jemenitischem Gebiet handeln", sagt Semjonow.

Die Türkei ist in einer ähnlichen Lage. Der türkische Außenminister Hakan Fidan erklärte, dass der Mekka-Verteidigungspakt "kein Angriffsbündnis" sei, und türkische Streitkräfte nur das Gebiet Saudi-Arabiens verteidigen könnten – wenn sie überhaupt dort eintreffen, denn das türkische Verteidigungsministerium erinnerte daran, dass die Stationierung von Streitkräften im Königreich nur dann möglich sei, wenn das Parlament den Pakt ratifiziert und die Erlaubnis zu einer solchen Stationierung erteilt. Noch ist weder das Eine noch das Andere passiert.

Und dafür gibt es mindestens drei Gründe. Erstens sind die Huthi rein formell nur eine Bewegung von Aufständischen, aber gleichzeitig sind sie auch eine der kampffähigsten Organisationen im gesamten Nahen Osten. Das sind hervorragend ausgebildete Kämpfer, die erfolgreich die Drohnenkriegsführung adoptieren. Eine militärische Operation gegen sie wäre für die Türkei, die noch immer damit beschäftigt ist, Ordnung in Syrien zu schaffen, kein Kinderspiel, ebensowenig wie für Pakistan, das in Afghanistan kämpft und sich auf Krieg mit Indien vorbereitet.

Zweitens verstehen alle, dass ein Konflikt mit den Huthis zu einem Konflikt mit Iran eskalieren könnte.

Die Huthi sind – im Gegensatz zur Hisbollah – kein einhundertprozentiger Proxy der Islamischen Republik. Dennoch sind sie für Teheran ein wichtiger und wertvoller Partner, den es sich nicht leisten kann, zu verlieren. Mit ihrer Hilfe kann es die Straße von Bab el-Mandeb und damit den Frachtverkehr zwischen Ost und West kontrollieren, der durch den Suezkanal fließt. Und einen Krieg gegen Iran will man weder in Islamabad noch in Ankara.

"Die Türkei will nicht in den Konflikt mit Iran eingreifen. Im Gegenteil, sie tut alles dafür, um das zu vermeiden. Natürlich will die Türkei, dass ihre Rüstungsindustrie zu einem Motor der Wirtschaft wird, aber sie ist nicht bereit, dafür Selbstmord zu begehen",

erklärt Wladimir Awatkow, Leiter der Abteilung für den Nahen und postsowjetischen Osten an der Russischen Akademie der Wissenschaften.

Und zu guter Letzt, der dritte Grund: Ein Krieg gegen die Huthi könnte in der islamischen Welt, darunter auch in Pakistan und in der Türkei selbst, falsch aufgefasst werden.

Denn die Huthi sind gegenwärtig die aktivsten Kämpfer um die Freiheit Palästinas, zumal sie die Straße von Bab al-Mandab für israelische Schiffe blockiert haben. Sie anzugreifen würde gegenwärtig bedeuten, sich in den Augen der propalästinensisch eingestellten Muslime zu diskreditieren, um deren Gunst unter anderem auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan buhlt. Dazu meint Awatkow:

"Die Türkei betrachtet den Mekka-Verteidigungspakt in erster Linie als ein Mittel, Prestige zu gewinnen und sich selbst stärker zu positionieren. Zu echten Einsätzen, insbesondere offensiver Natur, ist Ankara nicht bereit. Es streckt lediglich Fühler aus, um die Möglichkeit eines inklusiveren Sicherheitssystems im Nahen Osten abzutasten."

Bestenfalls wäre die Türkei bereit, die Saudis mit syrischen Söldnern zu unterstützen. Aber auch ihnen ist klar, dass Alawiten zu terrorisieren und gegen die Jemeniten zu kämpfen nicht dasselbe ist.

Natürlich kann Saudi-Arabien aber auch noch andere, entschlossenere Länder in den Pakt einschließen, beispielsweise Ägypten.

Dieser Staat ist finanziell von Riad abhängig und leidet unmittelbar unter den Handlungen der Huthi, vor allem unter dem Ausfall des Frachtverkehrs im Suezkanal.

Und Kairo scheint sogar bereit zu sein, sich einzumischen. Nach Aussage des ägyptischen Außenministers Badr Abdelatty, erwägt sein Land ernsthaft die Möglichkeit, sich dem Mekka-Verteidigungspakt anzuschließen. Und der Präsident des Landes, Abdel Fattah al-Sisi, wandte sich bereits mit der Bitte um eine entsprechende Erlaubnis an die Legislative.

"Ich fordere das Parlament dazu auf, eine außerordentliche Sitzung durchzuführen, um uns die Vollmacht zu erteilen, Maßnahmen zum Schutz Saudi-Arabiens einzuleiten, wenn wir darum gebeten werden", erklärte er am 17. Oktober. Nach seinen Worten ist es für Ägypten "absolut unzulässig, dass das Königreich Saudi-Arabien zur Zielscheibe für Angriffe wird, oder seine Stabilität und Sicherheit gefährdet wird".

Allerdings ist auch hier nicht alles so eindeutig. Einerseits konnte in Ägypten dank Hilfe der Saudis nach dem Arabischen Frühling die säkulare Militärregierung wiederhergestellt werden, die jetzt in ihrer Schuld steht. Andererseits gibt es in Ägypten gesetzliche Einschränkungen, die einem Begleichen dieser Schuld im Wege stehen: Punkt 4, Artikel 6 des Friedensabkommens mit Israel – in seiner umfassendsten Auslegung – verpflichtet Kairo dazu, nicht in Militärbündnisse mit Feinden von Tel-Aviv einzutreten, und Saudi-Arabien, Pakistan und erst recht die Türkei zählen definitiv zu diesen Ländern.

Und auch der Reputationsverlust und die militärische Belastung durch einen Krieg gegen die Huthi sind Faktoren, die Ägypten nicht ignorieren kann, auch wenn die ägyptische Armee eine der stärksten in der Region ist. Aus diesem Grund werden sowohl die jetzigen als auch die potenziellen Mitglieder des Mekka-Verteidigungspakts mit großer Wahrscheinlichkeit von einer Intervention im Jemen absehen. Damit bestätigen sie allerdings auch, dass es noch zu früh ist, beim in Mekka geschlossenen Abkommen von einer "Nahost-NATO" zu sprechen.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 19. Oktober 2026 zuerst auf der Webseite der Zeitung "Wsgljad" erschienen.

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